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Hans Walther: Totentanz
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- Zuletzt aktualisiert am Montag, 09. April 2012 15:05
Hans Walther (1888 - 1961):
Die Zerstörung der Barfüßerkirche
Im Gedenken an den 26. November 1944
2011 stiftete ein großherziger Kunstfreund dem Initiativkreis den Abguß dieses Reliefs von Hans Walther aus dem Zyklus Totentanz, der in Erinnerung an die Schrecken des Krieges und die Zerstörung der Barfüßerkirche entstanden war. Die fünf Modelle waren für einen Bronzeguß vorgesehen, der jedoch in den Nachkriegsjahren nicht zustande gekommen ist.
Im 50. Todesjahr des Künstlers, 67 Jahre nach der Zerstörung der Barfüßerkirche, hat sich der Initiativkreis das Ziel gesetzt, den Bronzeguß zu ermöglichen und das Relief an der Barfüßerkirche zu zeigen.
Hans Walther
* 28. Mai 1888 (Apolda)
† 4. November 1961 (Erfurt)
Hans Walthers Vater war Steinmetz. Unter seinem Einfluß entstand Walthers Neigung zur Bildhauerei. Er studierte erst an der Großherzoglichen Kunstschule Weimar, dann in Berlin. Die Berliner Künstlersezession, die Expressionisten und Auguste Rodin beeinflußten seinen Weg in die künstlerische Eigenständigkeit. Auf Max Klingers Vorschlag wurde er 1910 Mitglied des Deutschen Künstlerbundes.
Neben zahlreichen Porträts schuf er Denkmale und baugebundene Plastik. An den Sparkassengebäuden Fischmarkt und Anger, am ehemaligen Katholischen Krankenhaus, am AOK-Gebäude in der Augustinerstraße, am großen Hospital und am Hörsaalneubau des ehemaligen Pädagogischen Instituts begegnen wir seinen Werken. Der künstlerische Nachlaß Hans Walthers wird im Angermuseum Erfurt bewahrt.
Der Einsatz als Soldat im Ersten Weltkrieg formte sein Weltbild und seine Kunstauffassung. Als Gegner von Gewaltverherrlichung und Chauvinismus geriet er in den Fokus der Nationalsozialisten. Etliche seiner Werke wurden zerstört oder als „entartet” beseitigt. Diese Erfahrungen bilden den Hintergrund des Totentanz-Zyklus, dessen Tafeln er um 1948 schuf.
Totentanz
Um 1350 überzog, von den Kreuzfahrerhäfen Süd-italiens kommend, die erste verheerende Pestepidemie Europa. Sie rottete ganze Landstriche aus und unterschied nicht zwischen Kaiser und Bettler, Nonne und Hure, Säugling und Soldat. Der Knochenmann mit Sense und die tänzelnde Gefolgschaft seiner Opfer wurde für Jahrhunderte zum Symbol des schreck-lichen Gleichmachers. Die erste Darstellung scheint jene aus der Marienkirche Lübeck gewesen zu sein (im 2. Weltkrieg zerstört). Immer zieht auf diesen Darstellungen der makabre Herrscher ein Gefolge aus allen Ständen in unter-schiedlicher Vollständigkeit hinter sich her. Tänzelnd folgen sie ihm zu seinem Fest des Sterbens. Ursprünglich gehörte zu jeder Figur ein Dialog mit dem Tod über ihre Beziehung zu Leben und zu Sterben.
Durch die Jahrhunderte veränderten sich Figurenzahl und Ausführung. Mit jeder neuen Welle von Krieg und Pestilenz entstanden neue Totentanz-Darstel-lungen, immer gleich blieb die Konstellation von Tod und Gefolge. „Totentänze” wurden als Malerei, Holzschnitt, in Büchern, auf Teppichen, an Kirchen- und Friedhofsmauern, als Steinrelief oder Schnitzwerk überliefert. Wir kennen sie aus Paris, Amiens, Lübeck, Basel, Bern, Konstanz, Luzern, Freiburg, Erfurt (die 56 Erfurter Gemälde, unter anderem von dem bedeutenden Barockmaler Jacob Samuel Beck, wurden 1872 beim Brand des evangelischen Waisenhauses zerstört).
Mit dem Thema befaßten sich u. a. Albrecht Dürer, Hans Holbein, Wilhelm von Kaulbach und Hans Walther.
Die kriegerische Gegenwart drängt immer wieder zur Auseinandersetzung mit dieser alten Kunstform der Darstellung des Schreckens.