Die Grabsteine

Grabplatte der Cinna von Vargula, † 1370

Der hochqualitätvolle Stein zeigt die Frau in der Blüte ihrer Jugend. Ihr Gesicht ist feingeschnitten, das Gewand unterstreicht mit seinem Faltenwurf die Körper­lichkeit der Figur. Zu Seiten ihres Kopfes befinden sich die Wappen der Familien Ziegler und von Vargula. Die Umschrift in erhabenen gotischen Minuskeln lautet: *Anno Dni M c c c l x x feria quarta ate lucie o Cine que fuit filia frederici de varila et uxor rudolfi filii giseleri zcigeleres - Im Jahre des Herrn 1370, am Mittwoch vor [dem Tag der heiligen] Lucia starb Cinna, die die Tochter des Friedrich von Vargula und die Ehefrau Rudolfs, des Sohnes von Giselher Ziegler, war.

Der Stein befand sich bis zum Kriege in der von der Sachsen­schen Kapelle.

Grabplatte des Weihbischofs Albert von Beichlingen, † 1371

Der Bischof mit Bischofsstab und Buch in den Händen ruht in einer rechteckigen Nische, der Kopf ist auf ein Kissen gebettet. Unter dem Bischofsmantel trägt er die Kutte der Franziskaner mit der Knotenschnur um die Hüften. Zu seinen Füßen befindet sich das Beichlingsche Wappen und ein Topfhelm als Helmzier.

Umschrift in erhabenen gotischen Minuskeln: + Ano Dni M° C C C° LXX° I° v ydus aprilis obiit reverendvs in xpo pater et dns domnus albertus de bichelingin yppvsensis ecclesie epus cui' aia requiescat i pace amen + - Im Jahre des Herrn 1371, an den 5. Iden des April (9. 4.) starb der ehrwürdige Pater in Christus, Herr Albert von Beichlingen, Bischof der Kirche von Hippo, dessen Seele in Frieden ruhe, Amen.

 

Grabplatte des Christian von Hyddingstorph, † 1420

Der Geistliche ist in vertiefter Linienzeichnung unter einem Dreipaß stehend dargestellt. Der Stein war ursprünglich im Chor links vom Hochaltar in den Fußboden eingelassen. Die Umschrift in vertieften gotischen Minuskeln lautet: Anno domini m cccc xx° sabbato i .... fra octavas pasche obiit revendvs pater fr. cristian' de hyddgstorph sacre theologie pfessor - Im Jahre des Herrn 1420, am Sonnabend der Osteroktav starb der ehrenwerte Pater Fr. Christian von Hyddingstorph, Professor für Theologie

Grabstein des Erhard von der Sachsen und der Barbara Volckmar, † 1482

Der Stein über der Tür der Kapelle von der Sachsen zeigt die betende Stifterfamilie unter einer Darstellung von Gottvater, Christus als Schmerzensmann und Maria in einem Wolken­band. Das Relief ist infolge der Kriegseinwirkungen und der steigenden Umweltbelastung stark angegriffen.

Epitaph für Margareta von Myla, † 1494

Das Stück gehört zu einer Reihe von Epitaphien mit der Dar­stellung der Mondsichelmadonna, die in Erfurt um 1500 entstanden sind. Auch dieser Stein befand sich bis zum Kriege in der von der Sachsenschen Kapelle. Die Umschrift aus erhabenen gotischen Minuskeln: Anno dni m° cccc° xciiii° vigia ephie ist vschide die erbar fraw margreta vo myla geporn des gestrenge hans vitzthumps zu appolde husfraw des voreltern dises klosterz stiffter sint de got unt alle sele gnade a[men].

Grabplatte des Herbord Nack († 1616), seiner ersten Frau Anna von der Marthen († 1587) und seiner zweiten Frau Judith Gebhard († 1616)

Auf dem Stein an der Südwand des Chores ist der Verstorbene unter einem flachen Dreipaßbogen zwischen seinen beiden Frauen dargestellt. Auf der Kartusche unterhalb der Figuren Inschrift in erhabener römischer Kapitale: DNO HERBORDO NACK, SENIORI CONSVLI DE RE PVBLICA ERFVRTENSI OPTIME MERITO, ANNO M DC XVI DENATO, CVM DVABVS VXORIBVS, QVARVM NOMINA SVPRA ASSIGNATA, HIC SEPVLTO, MONVMENTVM HOC P. P. LEBERI - Herrn Herbord Nack, dem um die Stadt Erfurt besonders verdienten Ratsältesten, gewidmet im Jahre 1616; mit seinen beiden Frauen, deren Namen oben aufgeschrieben sind, ist er hier begraben.

Epitaph des Bartholomäus Kellner, † 1685

Der aus mehreren Teilen zusammengesetzte barocke Stein trägt im Zentrum eine Inschrift in einer von vielerlei Rankenwerk umgebenen Kartusche. Die Inschrift in vertiefter Fraktur lau­tet: In seinem Heiland JESU Ruhet alhier Seelig und Sanfft Der weiland Wohl-Edle veste und Großachtbahre Her Bartholomaeus Kellner Hochfürstlich Sächs' gesambter Obergleitsman zu Erffurth auch bey der Fürstl. Vormundt­schaffts Cammer Zu Fehna Hochansehnlich Verordneter Inspector Welcher Gebohren Zu Wieh den 4. Jun: 1631 Bauete dieses Elend in erlernung Freyer Künste 19 Jahr, in Fürstl. ambtern und verrichtungen 35 Jahr Starb Zu Erffurth d. 9. Octob. 1685, seines alters 54 Jahr 4 Monath 2 Wochen

Das Epitaph wurde im Frühjahr 1993 aus konservatorischen Gründen von der Wand abgenommen und wird zur Zeit restauriert. Hinter dem Epitaph kam ein gotisches Gewände zum Vorschein, das dem Gewände der gegenüberliegenden Tür vergleichbar ist. Vermutlich handelte es sich um eine Nische, die als Pendant zu dieser Tür gedacht war. Ob es sich etwa um eine Tür zu den nach Norden zu liegenden Klostergebäuden gehandelt hat, läßt sich zur Zeit noch nicht nachweisen.